Ankershootings
- Veronika Frank

- 17. Mai 2021
- 6 Min. Lesezeit
| Persönlichkeit im Fokus | Sinnbilder |

Vorwort
Nichts ist so konstant wie Veränderungen.
Sie gehören zur Natur der Dinge. Täglich verändern sich Strukturen, welche die verschiedensten Systeme zusammenhalten: Poltisches, Wirtschaftliches, Soziales oder Privates. Gerade in einer Welt, die so stark von Wandel und Schnelllebigkeit geprägt ist, wächst die Bedeutung von Sicherheit und Konstanz sowohl für Organisationen als auch für Individuen.
Ich habe die Fotographie in dem Sinne entdeckt, dass sie die schnelllebigen Momente, die eigentlich in Vergessenheit geraten, festhält. Denn Fotographien vermögen einen großen Schatz. Dieser besteht daraus, uns noch lange Zeit nach dem Ereignis in diesen einen besonderen Moment zu katapultieren.
Ich lade dich in mein Gedankenspiel ein:
Wie wäre es, wenn wir dieses Hilfsmittel nutzen, um uns bewusst, die Dinge in den Kopf zu setzten, die uns gut tun?
Wenn wir uns wissentlich öfter an Dinge erinnern, die uns wichtig sind?
Wie wäre es, wenn wir das was uns Sinn gibt in ein Sinnbild zusammenfassen, um dort Sicherheit zu schaffen, wo Veränderung meint, das ganze Gerüst ins wackeln zu bringen?
Der Wert eines Bildes

Heutzutage kursieren sie in allerlei Medien. Sie sind aus Berichten, Blogs oder Zeitungen nicht mehr wegzudenken. Sie übermitteln non-verbale Nachrichten und leiten dabei eine gewisse Stimmung an den Empfänger weiter. Sie können Realität und Fantasie zugleich darstellen. Sie können in die irre leiten und zugleich haben sie das Potential Sachverhalte zu erläutern. Die Rede ist von dem Bild. Das Bild hat seine Wurzeln bereits im 11. Jahrhundert, in welcher Zeit die „Camera Obscura“ zur Sonnenbeobachtung genutzt wurde. Anstelle einer Linse wies diese „Kamera“ nur ein kleines Loch auf, durch welches die Lichtstrahlen seitenverkehrt und auf dem kopfstehend auf eine Projektionsfläche fielen. Dieses projizierte Bild konnte anschließend abgezeichnet werden. Heutzutage, braucht es nur eine Millisekunde um ein solches Bild, wahrheitsgetreu darzustellen. Die Aufnahme kann jedoch im Anschluss durch vielfältige Bearbeitungsprogramme, verändert werden, sodass ein gewünschte Bild entsteht, welches nicht mehr der Realität entsprechen muss.
Bilder, egal ob digital oder analog, erinnern uns an einen Moment, den wir erlebt haben. Sie wecken dabei 1000 Erinnerungen. Es kann lediglich ein Bild aus Italien in der Zeitung sein, welches den eigenen Sommerurlaub vor 20 Jahren zurück ins Gedächtnis ruft. Einen Moment, der schon lange in Vergessenheit gewesen war. Bilder dienen also auch als Gedächtnisstütze. Sie sind zeitlos, da sie nicht vergänglich sind. Die Momente, die wir erleben sind terminiert und sind somit vergänglich. Die Fotographie kann diese einfrieren und in der Erinnerung immer zugänglich machen. Sie überbringen dabei das Gefühl von damals und lassen uns in diesem Gemütszustand eine Weile schwelgen. Ein Bild spricht jede Sprache. Jeder kann es für sich verstehen. Zwar kennt nicht jeder die Geschichte eines Bildes, jedoch hat man die Möglichkeit sie sich erzählen zu lassen oder sich seine eigene Geschichte auszumalen. Das Vorstellungsvermögen wird hierbei angeregt. Dies begünstigt ebenso das Schaffen neuer Perspektiven. Bilder können oft Dinge zeigen, die einen nicht bewusst waren oder Momente festhalten, die eigentlich nicht selbstverständlich sind. Sie verleiten dazu den Moment noch einmal mit Abstand wahrzunehmen, sodass er ganz automatisch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden kann. Mit Abstand zur Situation ergeben sich neue Gedanken, die ermutigen können. Fungierst du als Fotograf so wirst du lediglich dazu gezwungen, Dinge ins schöne Licht zu setzten. Perspektiven zu erwägen, die besser aussehen als die wahrgenommene Realität. Eine andere Perspektive verkrümmt dabei nicht die Realität, sondern rückt sie in ein anderes Licht, welches sofort eine andere Stimmung/ anderes Bild ergibt. Eine Anregung, die auch das eigene Gemüt beeinflussen kann. Zuletzt sei noch gesagt, dass ein Bild Auskunft über das Selbst geben kann, solange es sich um ein Porträt handelt. Bilder eigenen sich um an der Selbstwahrnehmung zu arbeiten oder sich aus der Sicht eines Fremden zu betrachten. Der Abgleich der Selbst- und Fremndwahrnehmung kann hier thematisiert werden. Ein Bild weckt also nicht nur 1000 Erinnerungen, sondern in einem Bild stecken auch 1000 Perspektiven.
Ankershooting

Bei den Ankershootings soll darum gehen, die Person vor der Linse zu stärken. Die Kraft des Bildes, - Dinge in Erinnerung zu holen - soll dabei genutzt werden. Es geht darum, einen Gemütszustand, ein Ziel oder Glaubenssatz fest in das Bewusstsein zu verankern. Die Dinge, die eine Person immer wieder vergisst, aber eigentlich einen großen Wert haben, sollen in einem „Sinnbild“ verkörpert werden. Die Persönlichkeit steht dabei im Fokus. Es soll um das gehen, was dem „Model“ wichtig ist. Ein solches Setting setzt einen sehr intimen Rahmen zwischen Fotograf und „Model“. Es handelt sich um ein engeres Verhältnis als ein übliches Fotoshooting sonst erlaubt, da das Innere des Models verkörpert wird. Ein Selfie der Seele. Dabei kann beispielsweise die eigene Geschichte verkörpert werden, die verarbeitet werden muss oder der Selbstwert/ das Selbstbewusstsein aufgebaut werden, da man sich vor die Kamera begibt und sich im nachhinein aus einer Perspektive sieht, die einem hilft, sich selbst wertzuschätzen. Es können Dinge ans Licht kommen, die einen gefesselt haben. Es stellt eine Art Proklamation des Guten dar. Dass, was gut tut, soll gedacht werden. Denn deine Gedanken sind deine Medizin. Denke dich gesund.

Es gehtdabei nicht um den perfekten Look oder ein tolles Endergebnis, sondern um den Prozess, den Weg, das Ziel des Coachees. Das was ihm/ ihr wichtig ist. Das Augenmerk liegt auf dem, was Halt gibt und wo Ressourcen stecken. Es kann dabei um ein Ziel gehen, dass schon lange verfolgt wird oder gar erst einmal ein Ziel aufzuspüren - eine Perspektive zu schaffen. Es kann ein Glaubenssatz sein, der über dem Leben steht und Halt gibt. Es stellt die Hilfe dar, ein Gedankenkonstrukt zu verbildlichen, damit in Zeiten der Veränderung, an den Grundsatz erinnert werden kann.
Praxis
1. Gespräch: Vor einem Shooting findet mindestens ein Gespräch statt. Bei Bedarf können mehrere Stunden hilfreich sein. Der Kern des Themas muss in dieser Zeit freigeschaufelt werden. Manchen fällt dies leichter, machen schwerer. Der Kunde bestimmt in dem Fall, wie viel Zeit er/sie sich für das innere Aufräumen nehmen will, bzw. wie viel Zeit er/sie dafür letztendlich benötigt. Es wird sich Zeit genommen, in die Welt des Kunden einzutauchen und ihn/ihr bei seinem/ihrem innerem Prozess zu unterstützen. Der Coach hilft durch Meta-Fragen, dass Problem, das Ziel oder den Glaubenssatz zu identifizieren. Nachdem dies geschehen ist, kann genauer hingesehen werden. Durch Anwenden des VAKOG-Modells kann der Zielzustand oder der Glaubenssatz verbildlicht werden. Es geht darum auf allen Sinneskanälen nachzuempfinden, wie es sich anfühlt den Glaubenssatz zu leben oder das Ziel erreicht zu haben. Der Coach stellt also Fragen, die den Coachee dazu veranlassen vor dem innerem Auge eine imaginäre Wunschzustand- Situation zu erstellen.
Folgende Sinneskanäle werden dabei umschrieben:
Visuell (sehen)
Akustisch (hören)
Kinästhetisch (fühlen)
Olfaktorisch (riechen)
Gustatorisch (schmecken)
Nachdem die imaginäre Reise in den Wunschzustand unternommen wurde, kann sowohl das Setting, aber auch vielmehr die Emotionen, die erzeugt wurden eingefangen werden. Gemeinsam wird nun überlegt, wo es in der Nähe eine Location gibt, die dem imaginärem Setting ähnelt. Es wird besprochen, ob es zum Shooting Requisiten benötigt, zu welcher Tageszeit es stattfinden soll und ob ein bestimmter Look im Augenmerk stehen soll. Es wird ein Termin vereinbart, an dem das Shooting stattfindet. Leichter ist es jedoch, wenn direkt im Anschluss an das Coaching geshootet wird, da sich so besser in den freigeschaufelten Ziel-Zustand versetzt werden kann.

2. Shooting: Es wird sich an der Location, die beim Coaching auserkoren wurde getroffen. Dort startet nach einem Moment der Besinnung (Stille), welche den Coachee zurück in den Gefühlszustand bringen soll, das Shooting. Der Übergang geschieht fließend. Tut der Coachee sich beim Bilder machen schwer, können die Fragen aus dem Coaching wiederholt werden, um sich in leichter in den Ziel- und Gemütszustand zu versetzten.
3. Ergebnis: Nach circa zwei Wochen erhält der Coachee die Bilder in digitaler Form, sowie ausgedruckter Form. Denn nur wenn die Bilder an vielen Orten ersichtlich sind, erfüllen sie ihren Zweck. Sie müssen im Alltag einen Platz finden. Als Handyhintergrund oder als Wandbild. Sie müssen leben.
The beauty of becoming - Schlusswort
Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit:
Geborenwerden und Sterben,
Pflanzen und Ausreißen,
Töten und Heilen,
Niederreißen und Aufbauen,
Weinen und Lachen,
Klagen und Tanzen,
Steinewerfen und Steinesammeln,
Umarmen und Loslassen,
Suchen und Finden,
Aufbewahren und Wegwerfen,
Zerreißen und Zusammennähen
Schweigen und Reden,
Lieben und Hassen,
Krieg und Frieden.
Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht? Ich habe erkannt, was für eine schwere Last das ist, die Gott den Menschen auferlegt hat. Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist. Aber der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen. So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk.
- Prediger 3,1-13





















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