#behindmylense - Bergbilder
- Veronika Frank

- 10. Jan. 2021
- 5 Min. Lesezeit
Wir alle kennen Sie. Wir alle lieben Sie. Einsame Bilder von Gipfeln. Alpenglühen. Verlassene Berge. Unberührte Natur. Doch wie kommt es eigentlich zu solch einer Aufnahme?
Ich möchte dich mit diesem Beitrag in meine Fotoroutine einweihen und zeigen, auf was ich wert lege, um das Beste aus meinem Bild heraus zu holen. Neben Tipps und Tricks, werde ich dich natürlich auch mit der bitteren Realität konfrontieren. Deshalb sei gewappnet. Es ist nicht immer alles wie es scheint.


Tipp Nummer 1: Licht
Wenn du schon länger fotografierst wirst du wahrscheinlich wissen, dass das allerwichtigste das Licht darstellt. Ob im Studio oder Draußen. Mit Licht umzugehen und es so zu nutzen, dass es deinem Bild schmeichelt, ist dabei der Clou. Denn zu viel Licht kann auch schaden. Die Dosis macht das Gift. Für Naturbilder ist die Sonne unser bester Lichtkegel. Die Sonne hat ihren Rhythmus und diesen können wir für uns nutzen. An einem wolkenfreien Tag in der Mittagszeit ist die Einstrahlung jedoch so enorm, dass oft ungewollte Lichtkegel entstehen oder Bilder platt aussehen. Das mag für manche Bilder vielleicht gerade passen, jedoch für Naturbilder, die lebhaft aussehen wollen, ein Todesurteil darstellen. Deshalb: Früh Aufstehen oder Spät ins Bett gehen. Denn. Die schönsten Farben hat der Himmel, wenn die Sonne auf und unter geht. Circa eine Stunde davor und danach ist für mich Primetime. Das heißt, wenn ich auf Sonnenaufgangtour gehe, plane ich nicht nur die Wegzeit ein, sondern auch etwas Zeit, um davor schon auf dem Gipfel Bildern schießen zu können. Das birgt natürlich so einiges mit sich. Wenn man schweißgebadet am windigen Gipfel ankommt, beginnt man leicht das Frieren. Deshalb super wichtig: Nimm dir ein Wechsel T-Shirt und eine Warme Jacke mit! Außerdem sind Handschuhe mit denen du einigermaßen agil sein kannst dein Lebensretter. Denn gerade die machen ja die Hauptarbeit. Je nachdem welchen Gipfel du dir ausgesucht hast, kann es natürlich sein, dass selbst zu diesen unüblichen Zeiten, eine Menge los ist auf dem Berg. Gerade in Zeiten von Corona erlebe ich die Bergwelt voller den je. Denn alle sehnen sich nach dem Horizont. Sei nicht enttäuscht, wenn du nicht alleine am Berg bist. Die Berge sind für alle da. Sitze die Momente aus und sei vorbereitet, wenn das Gipfelkreuz mal eine Minute leer ist. Sei dir außerdem bewusst, dass du den Auf oder Abstieg im Dunkeln gehen musst. Dazu brauchst du nicht nur eine Stirnlampe, sondern auch die Sicherheit und Orientierung in den Bergen. Plane zum Beispiel eine Tour, die du schon kennst. Fotografieren hat auch oft mit Warten zu tun. Es kann nämlich vorkommen (und das ist in den Bergen nicht unüblich), dass das Wetter plötzlich umschlägt. Du musst damit rechnen, deine Tour auch abbrechen zu müssen oder den Regen unter einen Baum aussitzen. Es kann zum Beispiel aber auch sein, dass dir eine Wolke die Sicht verdirbt. Auch dann heisst es erstmal Warten.

Tipp Nummer 2: Komposition
Bilder Leben von dem wohin sie zeigen. Was willst du mit deinem Bild sagen. Was war dir wichtig? Überlege dir, wie du dein Bild komponieren kannst, dass genau das ins Auge sticht. Hierfür gibt es ein paar Regeln, die du beachten kannst und dein Bild dann dementsprechend aufbauen kannst.
Linien: Zum einen achte ich darauf, dass ich natürliche Linien in der Natur erkenne und nutze. Zum Beispiel, lasse ich diese Linien dann quer durch mein Bilder laufen oder diagonal aus einer Ecke. Je mehr Parallelität und Symmetrie, desto stimmiger das Foto.

Raster: Wenn du durch deine Kamera schaust, ist die vielleicht schon ein Gitter aufgefallen. Dieses kann man beliebig ein oder ausblenden. Das Raster soll helfen Symmetrien im Bild zu erkennen und diese zu nutzen. Des weiteren lautet die Regel, dass besondere Punkte, auf die der Fotograf sein Augenmerk richten möchte, auf mindestens einem dieser Linien sitzt. Bestenfalls sogar an einer Kreuzung des Rasters. Auch dein Fokuspunkt sollte dann an diesem Punkt gesetzt werden.

Natürlicher Rahmen: Ein Bild wird erst dann interessant, wenn du es einbettest. Sei es durch einen unscharfen Vordergrund, einen natürlichen Rahmen oder indem du deine Perspektive änderst und mal auf die Knie gehst und von unten fotografierst. Suche dir Blickwinkel, die das menschliche Auge auf natürlichem Weg nicht sieht, denn das sind doch die interessanten. Wie sieht ein Tier oder eine Pflanze die Natur? Das schöne hierbei ist, dass du die Umgebung dabei erkundest. Du saugst mehr Details auf. Wo mancher denkt, man schaue nur durch die Kamera auf die Natur, empfinde ich es als ein Überschuss an Wahrnehmung, da man sehr viel mehr auf Details achtet. Perspektiven erwägt, die mancher garnicht wahrnimmt und somit inspiriert, neu zu denken und zu sehen.

Tipp Nummer 3: Sei du selbst
Neben all den Kameraeinstellungen und den Dingen auf die man achten kann, ist es wichtig bei sich zu bleiben. Denn du bist Herr der Kamera. Probiere dich aus. Lass die Regeln auch mal links liegen. Es ist gut, all das zu kennen, aber sobald es dich in deiner Kreativität einschränkt, nimmt es dir deine persönliche Note. Denn keiner sieht die Welt, wie du sie siehst. Deshalb: Brich auch mal die Regeln. Setzte den Fokus mal schief. Knipse ein unterbelichtetes, verwackeltes Bild. Gerade Momentaufnahmen, die nicht gestellt aussehen wollen, dürfen das, um die Realität besser wiedergeben zu können. Du musst beispielsweiße nicht das Gipfelkreuz fotografieren, auch wenn es alle tun. Vielleicht findest du die Fahne am Mast viel interessanter. Zeig der Welt was du siehst. Und das empfinde ich auch immer als ein Prozess. Denn du kannst beispielsweise ein und den selben Ort drei mal besuchen und dennoch die verschiedensten Bilder kreieren. Belichtung. Stimmung. Wetter. Objektiv. Bearbeitung. All das sind nur wenige Komponenten, die sofort ein anderes Setting zaubern. Probier dich einfach aus. Was. Ist dir wichtig? Wie würdest du deinen Fotostil beschreiben?

Schlussworte
Ich möchte an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass eine Kamera natürlich kein Fliegengewicht ist. Sei dir bewusst, dass mit mit einer Kamera immer 2 kg mehr als die anderen den Berg hinaufträgst, dein Rucksack größer ist und du mehr beansprucht wirst. Meine Regel lautet daher: Sobald ich eine Kamera im Rucksack habe wird sie auch benutzt. Überlege dir, ob du heute wirklich fotografieren willst. Das muss natürlich mit der Tour und den Mitstreitern übereinstimmen. Denn oft entstehen dadurch Wartezeiten für andere, während ich meine Kamera erst aus dem Rucksack packe und dann noch ohne Zeitdruck kreativ Bilder schießen möchte. Dennoch möchte ich auch zum Ausdruck bringen, dass ich es noch nie bereut habe, die 2 kg mehr auf dem Berg zu schleppen. Da sind Erinnerungen festgehalten worden, die man nicht in Worte fassen könnte.

Die Kamera ist einfach ein tolles Tool, um abseits des Handys, welches einen immer aus der Ruhe bringt, wenn Nachrichten aufploppen, dich trotzdem im Moment verweilen lässt. Deshalb bevorzuge ich, trotz des Gewichts immer die Kamera vor dem Handy. Variieren kannst du natürlich mit dem Equipment, welches du mitnimmst. Für eine schwere Tour ein leichtes Objektiv. Für eine kürzere Tour nehme ich schonmal 2-3 Objektive oder sogar ein Stativ für Nachtaufnahmen mit auf den Berg. Am Ende musst du jedenfalls mit dem arbeiten, was du hast. Oft hatte ich dann schon die Momente, wo ich mir ein anderes Objektiv gewünscht hätte. Aber ich glaube, dass gerade solche Momente ein enormes Lernpotential in sich tragen. Mit dem zurecht zu kommen was man hat. In diesem Augenblick sich auf das zu konzentrieren, was man hat und damit zu arbeiten. Denn so ist das ja bekanntlich nicht nur beim Fotografieren, sondern auch im ganz normalen Alltagsleben.

Grüße aus den Bergen,
vroh.natur



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